Finde ich heute ein Fotomotiv an der Kieler Förde?

unterwegs im Yacht- und Fischreihafen Möltenort

"Heute gehe ich los und dann fotografiere ich...ja was...?" Manchmal habe ich ein genaues Ziel, an das ich fahren will, um genau DAS Motiv aufs Korn zu nehmen. Dann kommt es aber auch vor, dass ich einfach rausfahren möchte, weil zum Beispiel die Wolken grad wunderschön für eine Langzeitbelichtung ziehen. Dann muss es aber auch gut klappen und ich fühle mich fast gestresst, kann es kaum erwarten loszuziehen. Am Montag kam es genauso. Tagsüber standen die Wolken am Himmel und ich freute mich schon auf meinen Feierabend. Da ich mir momentan meine Wahlheimat Kiel noch erschließe, fand ich meine Idee, an das Ostufer zu fahren, ganz charmant. Möltenort sollte es sein. Ein kleiner, malerischer Ort an der Kieler Förde, Segelhafen, Anlegestelle der Kieler Fähre von und nach Laboe oder umgekehrt. Im Laufe des Tages nahm die Wolkenanzahl jedoch immer mehr ab und ich merkte, dass ich immer mehr enttäuscht war. Keine Frage, ein klarer Himmel ist etwas Tolles...nur in fotografischer (meiner) Hinsicht nicht so interessant. Dennoch beschloss ich, den Plan abends auf jeden Fall in die Tat umzusetzen. Am Hafen angekommen, sah ich nur noch ein paar Wolkenfetzen und die untergehende gelbe Sonne. Na gut, also sollen wohl heute die Postkartenmotive dran sein. Langsam schritt ich der See auf dem großen Steg entgegen. Während dessen fragte mich, wie ich das ganze nun in Szene setze und merkte, dass sich irgendwie das Gefühl von Enttäuschung noch mehr in mir breit machte.

 

Puh...ich setzte mich also hin und überlegte, wie ich jetzt den Abend rette. Nach einem kurzen Moment verflog das Grübeln dann und ich merkte, dass die chillige Szenerie auch ohne Kamera ganz schön anzusehen war. Die warme gelbe Sonne, der Wind, der mir die Haare zerzauste, die Rußwolken des Frachters der grad vorbeifuhr, die Möwe, die auf der großen Laterne saß, der Schwan am Feuerschiff schwimmend. Alles das nahm ich ganz bewusst wahr. Eine Kollegin von mir sagt aus Spaß gern einmal "to be open minded" und genau das beschreibt es. Bewusstsein voll da. Die Sonne ging langsam unter und ich stand wieder auf, um kurz mein Foto-Equipment im Wartehäuschen zu sortieren. Spannend...und schon war Dank der Gedankenfreiheit mal eben ein neues Motiv gefunden. So verbrachte ich dann doch noch ganz entspannt eine halbe Stunde im verträumten Möltenort bei Sonnenuntergang.

Möltenort bei Sonnenuntergang

Dass es langsam kalt wurde, meine Haare immer noch im Wind wehten, mir die Nase, tropfte nahm ich auch wahr, aber das war mir völlig egal. Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum mir das Fotografieren so viel gibt und Spaß macht. Danach stieg ich sowas von zufrieden ins Auto, wie ich es am Anfang des Abends nicht vermutet hätte. Mal eben selbst entschleunigt. Eine kleine Anmerkung noch...mir gefällt es nicht, dass in dem Wartehäuschen Vandalismus betrieben wurde. Trotzdem bot es mir ein interessantes Motiv.

 

Moment...da sagt doch einer was zu mir... "Eine tolle Stimmung, da hast du ja doch noch etwas gefunden...bei dem Wetter kannst du doch gleich noch nach..., aber da musst du dich beeilen, sonst ist das Licht gleich nicht mehr so..." Boah, was ein Stress!

 

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