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Unterwegs auf dem Dom mit der Festbrennweite.

Unterwegs mit der wiederentdeckten Festbrennweite

Es war einmal die Festbrennweite. Das war eine meiner ersten Zusatzanschaffungen, die ich mir vor Jahren geleistet hatte; ein Objektiv mit 1.8 Lichtstärke und 50mm Brennweite. Ich hatte irgendwann einmal gelesen, dass so ein Objektiv sehr lohnenswert sei, besonders, wenn man nachts unterwegs ist oder auch zur Porträtfotografie. Mit dem zweiten Thema hatte ich mich bis dato kaum beschäftigt, aber die Nachtfotografie ist eins meiner Steckenpferde.

 

So begann für das neue Teil in der Familie eine lange entbehrliche Zeit, in der es von mir eher stiefmütterlich behandelt wurde. Ab und zu machte ich damit ich ein paar Testaufnahmen und manchmal nahm ich es auch auf Tour mit, doch ich konnte mich damit nicht anfreunden und nutzte es kaum. Wie einfach ist es doch, ein Objektiv mit Zoomfunktion zu haben... du stellst dich hin, schaust, wie das Bild aussehen soll und justierst etwas nach. Naaaa...doch etwas weiter weg...oder einen Schritt nach links und dann wieder näher ran. Ja..., so sieht es gut aus. 

 

Zoomen ist so praktisch.

ich bekomme das Motiv nicht komplett drauf...

Perspektivisch fotografiere ich meist eher von unten nach oben. Doch wie mache ich das mit der festen Brennweite?  Kleiner Monlog: "Gut...ich stell mich jetzt mal vor das Haus hier und dann nach oben. Genau...und jetzt gehts los...Einen Schritt zurück...nein das geht nicht- da sieht man irgendwie nur die Hälfte vom Motiv.

 

Jetzt mutige zehn Schritte auf einmal zurück gemacht, neee das sieht immer noch nicht gut aus. Wenn ich mich jetzt noch mehr bewege und herauszoome, dann hab ich die gesamte Front mit auf dem Bild, man sieht alle Fenster und kann noch in den Himmel schauen, an dem die Wolken ziehen. Sehr gut, da nehme ich doch mal das Zoomobjektiv und packe das andere warm und trocken wieder zurück in die Tasche."

 

Ach...das bedauernswerte kleine und schöne Objektiv durfte einfach (noch) nicht zeigen, was alles in ihm steckt und welche neuen Möglichkeiten sich mir damit eröffnen.


Die Wahl des Bildformates

Der Satz "ist das Kunst oder kann das weg?" ist sicher jedem geläufig und es gilt die künstleriche Freiheit. Ich mache es mir mit Vorgaben nicht leicht, es gibt dennoch ein gewisses Richtig oder Falsch. Wenn dem Auge und dem Kopf etwas beim Motiv fehlt, sollte nachgearbeitet werden.

Das Riesenrad im Querformat. Für mich ein schöner Ausschnitt, denn es zeigt so eine große Weite auch und besonders in Richtung Himmel. Das Bild wirkt  dabei trotzdem ausgefüllt. Das Zentrum des Rades ist nicht wirklich die  Mitte, was dem ganzen aber keinen Abbruch tut.  Der Himmel scheint endlos zu sein.


Hier  ist das Riesenrad  auf dem Dom weiter weg im Querformat zu sehen. Als ich das so aufnahm, passte das Gefühl überhaupt nicht . Schon zu diesem Zeitpunkt war mir klar, das darf so nicht sein. Zu wenig Motiv und zu viel Himmel. Eher eine gähnende Leere, als ein Hingucker.



Jetzt gibt es das Ganze noch  einmal im Hochformat zu sehen. Auch das finde ich "richtig". Nur ist der Bildaufbau anders. Das Riesenrad ist voll im Bild und von vorne aufgenommen. Hier wollte ich das Wappen im Zentrum auch als Hauptbetrachtungspunkt zeigen. Die Gondeln begrenzen den Blick nach oben. Zu recht.

Noch einmal das Riesenrad, jetzt aber hochkant. Ganz stimmig finde ich es vom Ausschnitt zwar nicht, weil auch hier zuviel dunkler Himmel "drumherum" ist. Aber Hochformat ist definitiv die richtige Wahl.



nun ist die Zeit der Festbrennweite gekommen

In etwas größeren Zeitabständen gibt es bei mir immer die Momente, in denen ich auf das schaue, was ich bisher fotografiert habe und was noch dazu kommen darf. Viele Motive habe ich abgelichtet und davon würden sich jetzt auch schon einige wiederholen. Da gilt es, keine Langeweile aufkommen zu lassen und den kreativen Kopf einzuschalten. In dieser Woche stand ein Besuch auf dem Hamburger Dom auf meinem Plan. Auch dort war ich nicht das erste Mal unterwegs. Hier bietet sich meist an, ein Stativ dabei zu haben und etwas längere Belichtungszeiten zu wählen. Die Fahrgeschäfte sind hell beleuchtet aber es ist schon früh am Abend  dunkel, da kann ein Bild schnell verwackelt sein.

 

Ja schön, also auf den Dom. In meiner Planung ploppten die ersten Gedankenblasen auf..".och ich hab eigentlich gar keine Lust, ein Stativ mit zu schleppen. Und lange belichten ist heute auch nicht dran; ich werde mir bei der heutigen Kälte lieber mehr Bewegung verschaffen.... Und im Grunde hab ich schon oft die Motive aufgenommen, die ich wollte." Die Motivation drohte auf einmal etwas weniger zu werden.

 

Jaha, aber auf den Dom soll es schon gehen; das wird mal wieder Zeit.

 

Moment...ich habe doch noch das 50mm Objektiv. Das lichtstarke kleine. Da könnte ich ja einfach jetzt einmal mit herumexperimentieren. In dem Moment verspürte ich eine freudige Begeisterung in mir, mich dieser "Herausforderung" zu stellen. Ich glaube fest, das Objektiv wusste, dass in diesem Augenblick die Zeit seines Nischendaseins vergangen war.


Fokus und Tiefenschärfe

Das Spielen mit dem Fokus und dabei zu gucken, ob ich lieber den Blick nach hinten lenken will oder vorne lasse, ist immer wieder spannend. Bei diesen Aufnahmen hat mein wiedergefundener Freund mir sehr viel Freude gemacht. Die Autoscooter auf dem Hamburger Dom waren dafür ein sehr dankbares Motiv. Hier war das Hochformat ganz klar DIE Wahl.

Autoscooter im Vordergrund. Der Raser im Hintergrund, der kaum erkennbar ist und mir netterweise durchs Bild fuhr. Ein Blitzer hätte ihn sicher nicht identifizieren können. Für mich total stimmig.

Ähnlich, wie die linke Aufnahme, die mir aber auch besser gefällt. Der Ausschnitt ist nicht ganz so gut gesucht, da das Fahrzeug fast zu weit ins Bild ragt. Das geriffelte Metall sieht gut aus, muss aber nicht so präsent sein.

Tja, das wird bei mir nichts. Der vordere Scooter füllt das Bild zu sehr aus. Entweder voll oder kleiner eingepasst. Anders geht es nicht. So wäre ich viel zu neugierig auf da, was sich im Hintergund abspielt. Dieser Blick wird mir verwährt. Durchgefallen.



Bild 1: Ah...ja das ist besser. Da hinten stehen schön scharf zu erkennen die geparkten Autoscooter, während das vordere noch schemenhaft

zu erkennen ist, aber den Blick nicht versperrt. Aufgabe erfüllt.

Bild 2: Die beiden besten Bilder Rahmen diese Galerie ein. Wie auf dem vorigen Bild erwähnt, finde ich diesen Fokus am spannendsten. Die Aufnahme ist mein Favorit. Im Vordergrund leuchten die blankgeputzen Flitzer, während die hinteren nach und nach in der Unschärfe verschwinden.



man wächst mit seinen Aufgaben

Schon allein weniger Gewicht ohne das eingesparte  Stativ zu spüren, war an diesem Abend ein Gewinn. Ich schlenderte also über das Heilgengeistfeld, das nicht so von Menschen überfüllt war, wie am Wochenende (was mir sehr gefällt) und schaute mich ganz entspannt um. Befreundete Fotografen erzählten mir einmal, es sei besonders für Instagram passender, im Hochformat zu fotografieren, was mit zeitweise immer noch schwerfällt. (Hochformat daher, weil viele Instagram Nutzer die Bilder auf ihren Smartphones ansehen). Ich habe mit mir eine Vereinbarung getroffen, da ich mich solchen Vorgaben/ Empfehlungen nicht so uneingeschränkt "ergeben" möchte. Wenn das Motiv für ein Hochformat passt, wird es entsprechend aufgenommen. Ein Querformat hat aber genauso seine Daseinsberechtigung. Rechts und links des Hauptmotivs kann sich manches sehenswerte verbergen; das wäre doch schade darum.

 

Dass die Wahl des Formats insbesondere bei der Festbrennweite sehr wichtig ist, habe ich an diesem Abend festgestellt. Mit einem Zoom ist ein ungünstig gewählter Bildausschnitt eher verzeihlich, wenn er einmal nicht ganz genau passt. Bei der Festbrennweite kann das ganz Bild schon "hin" sein, wenn ein wichtiges Detail abgeschnitten ist. Ich habe den Abend ganz bewusst genutzt und beide Formate verwendet, um die Unterschiede zu sehen und hier auch einmal darzustellen.

 

Auch die Wahl des Fokus ist ein wesentlicher Punkt; je nachdem, wie man diesen wählt, bekommt das Bild eine völlig andere Aussage. Mal ist der Hintergrund unscharf, mal der Vordergrund. Die Frage ist einfach, was will ich zeigen, was soll das wichtige Detail des Fotos sein.

 

Ich finde das unfassbar spannend, da ich mir noch mehr Gedanken während der Aufnahme machte als sowieso schon; das Gehirn arbeitete ganz intensiv.


der Bildausschnitt und die Bewegung aus der Hand aufgenommen

Wie bereits erwähnt eignet sich der Hamburger Dom oder allgemein die Jahrmärkte ideal, um sich mit dem Stativ bewaffnet in Langzeitbelichtungen auszutoben. Ob das auch aus der Hand in kurzer Zeit geht, zeigt sich auf diesen Aufnahmen. Das Thema Bildausschnitt habe ich hier ebenfalls mit untergebracht. Die Aufnahmen lasse ich einfach mal unkommentiert, da ich diese mit kleinen Abstrichen ganz gut gelungen finde (eines würde ich hier rausfallen lassen).

 

Wer mag, darf gern zu den Bildern allgemein etwas kommentieren, ergänzen, widersprechen oder einfach nur einmal raten, welches ich meine.

Trennungszeit mit happy end

Wieder einmal stellte sich für mich heraus, dass alles seine Zeit braucht und für alles die richtige Zeit kommt. Meine Festbrennweite und ich nähern uns nun auf den nächsten Touren an, um die Welt mit unseren "anderen" Augen zu sehen und neu in Szene zu setzen. Eines ist sicher: Dabei werden sich bestimmt völlig neue schöne und unentdeckte Motive oder auch Menschen dazugesellen. Ich bleibe gespannt.

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