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Der Fotomarathon Lübeck 2020

Lauf um dein Leben und mache dabei möglichst viele Fotos...

... ja das wäre eine Interpretationsmöglichkeit, ist aber weitaus weniger dramatisch. Wobei ich festgestellt habe, dass mich so ein Wettbewerb schon auf eine gewisse Art und Weise stresst und unter Strom setzt. Doch was ist ein Fotomarathon nun genau?

 

Ich habe bisher den Fotomarathon in Lübeck, Hamburg und Bremen mitgemacht. Grundsätzlich wird bei diesen Fotografie-Wettbewerben kurz vor dem Beginn meist ein übergeordnetes Thema gewählt und es gibt dazu eine unterschiedliche Anzahl von Unterthemen, die dann fotografisch umgesetzt werden müssen. Die Fotos müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in der Stadt aufgenommen und werden dann gesammelt zu einer festen und spätesten Uhrzeit  abgegeben.

 

In Lübeck war die Vorgabe bisher, wie auch gestern, dass ichalle Aufgaben komplett genannt bekam. In  Bremen und Hamburg erhielt ich zunächst einen Teil der Aufgaben und musste danach zu einem vorgebenen Punkt fahren, wiederum innerhalb einer gewissen Zeit, um dort meinen "Laufzettel" abzeichnen zu lassen. Dort erhielt ich dann die nächste Aufgabe.

 

Soweit, so gut. Doch das ist tatsächlich nur der Anfang. Denn nun heißt es, wie soll ich mich vorbereiten?

Ich beginne zunächst mit Aufgabe zwei, die wie immer ein Selfie sein musste. Für mich ist dies  eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt- mag ich mich selbst doch lieber hinter als vor die Kamera stellen.

Gelöst mit einem Selfie per Handy auf dem Dach des Hanse Museum Lübeck mit anschließender Rahmung in der Mauer vor dem Eingang des Museums. Mein Blick spricht wohl Bände...die Umsetzung hätte schlechter sein können.

 Dieses Bild fließt nicht in die Bewertung ein, worüber ich ganz froh bin.


Wie mache ich es richtig?

... diese Frage stellt sich mir immer wieder und das nicht nur im Zusammenhang mit dem Fotomarathon. Was ist richtig oder falsch und wer bestimmt das?

 

Fotografie ist Kunst und die ist frei umsetzbar und interpretierbar. Stimmt, aber hier nehme ich an einem Wettbewerb teil und die Jury, die die Fotos nach IHREN Eindrücken und Vorgaben bewertet, hat ihre eigenen Vorstellungen und vermutlich auch ein Konzept, das hier zu sehen sein soll.

 

In Lübeck gab es an diesem Wochenende einige besondere kulturelle Standorte, die sicher auf einige Aufgaben ausgelegt waren. Doch da geht es ja bereits los. Meine Gedanken dazu sind dann eher "na da gehen dann ja sicher viele hin" oder "die Fotos könnten sich dann auch ähneln." Passend" ist auch:  "ja aber die Juroren wollen sicher auch, dass diese Motive gefunden und aufgenommen werden".

 

Dem voran gehen ja noch ganz andere Überlegungen... "habe ich an alles gedacht und alles dabei; Kamera, Objektive, Akkus geladen?" Wie möchte ich die Umsetzung gestalten? Mache ich alles in Schwarzweiß oder sepia? Oder mische ich beides? Oder doch in Farbe? Hoch- oder Querformat oder auch beides? Stelle ich die Kamera zum Teil auf Automatik um, so dass die Blende automatisch gewählt wird?

 

Oder fotografiere ich nur mit manuellen Einstellungen (das war als erstes für mich klar-alles manuell!)? Wie vorher erwähnt geht es für mich zurück zu den Anfängen, denn es heißt auch, es darf nicht nachbearbeitet werden, außer die Kamera hat derartige Funktionen bzw. Optionen integriert. Eine Nachbearbeitung außerhalb des Gerätes ist nicht erlaubt.

 

Da müssen die Einstellungen wie beispielsweise für die Blende, Verschlusszeit, Fokus und ISO sitzen.

 

Ich hatte mich entschieden, nur mit einem 85mm Festbrennweite-Objektiv zu fotografieren.

Hopp oder topp?

...Kunst ist frei interpretierbar und da heißt es, die Themen können ebenfalls interpretiert werden, zumindest in meiner Vorstellung. Hier kommen nun einige Bespiele der Aufgaben und der Bilder...aufgemerkt: Zum Schluss darf jeweils nur ein Bild pro Aufgabe eingereicht werden. 12 Aufgaben bedeuten also-na klar- 12 Bilder.

Aufgabe 3: Wie viel sind 1,5m?

2020 ist das Jahr, das durch Corona bestimmt wird und dieses Virus zog sich auch durch die Aufgaben des Fotomarathon Lübeck. Das erste Bild zeigt den Bereich vor der Kasse im Hansemuseum Lübeck. Der Hinweis auf den Abstand ist recht markant. Ich wollte hier nicht den Fokus auf die 1,5m legen, sondern die Frage in den Vordergrund stellen. Gewählt habe ich Bild, zwei. Hier gibt es auf dem Hof des Burgkloster-Hansemuseum verschiedene Linien, die auf den ersten Blick nicht erkennen lassen, wie breit die Abstände sind. Die Frage bleibt also offen. Das Querformat war bei beiden für mich die richtige Umsetzung


Aufgabe 7: Ein Platz am Wasser.

Schauplatz Obertrave. Ich konnte mich sehr schwer zu einem Motiv bewegen, also sind hier viele Bilder entstanden. Ich denke, dass besonders das Bett, eines der Exponate, das im Rahmen des nicht stattfindenden Hansekultur Festivals zu finden war, ein passendes Motiv gewesen wäre. Ich habe immer noch keine genaue Ahnung warum, aber die Wahl fiel auf die Ente. Ich mochte es, wie sie ruhig eine Weile Modell für mich stand, bevor sie wieder in das Wasser glitt. Zuvor hatte sie ihr Gefieder ausgiebig geputzt.


Aufgabe 5: Vorzieglich (Ziegensprache; Menschen sagen vorzüglich)

Die "freie Ziege" ist ein in Lübeck mittlerweile gut bekanntes Maskottchen und immer da, wo in Lübeck spannende Veranstaltungen stattfinden. Sie war selbstverständlich auch beim Fotomarathon dabei. Dennoch habe ich ihr die kalte Schulter gezeigt und ein anderes Motiv gewählt. Das Thema Feinschmecker wäre hier ein Beispiel- Wein oder auch eine üppig bestückte Käsetheke. Ich habe mich hier für das Schild in der "Erdbeere" entschieden. Ganz vorzieglich eben...


Aufgabe 8: Schrittgeschwindigkeit

Immer noch an der Obertrave unterwegs...Enten oder Schwäne wären ideal für das Thema gewesen, doch ich hatte mich ja zuvor bereits für die Ente entschieden. Der Zufall spielte mit und ich sprach einen weiteren Teilnehmer des Fotomarathon an, ob er mir mit seinem Roller als Modell zur Verfügung steht. So getan und nach zwei Aufnahmen war das Thema "im Kasten".


Aufgabe 9: Das Beste am Norden.

Diesen Slogan sollten mindestens alle Norddeutschen kennen. Der NDR (Norddeutscher Rundfunk wirbt mit diesem markanten Spruch für seine Sender. Lübeck hat einige Anlaufpunkte des NDR, beispielweise an den Mediadocks, die aber von der Obertrave durchaus ein stolzes Stück zu Fuß entfernt sind, wenn man bereits sechs Stunden auf den Beinen ist. Gestern hat es ein paar Mal geregnet und irgendwie passt dieses Wetter ja auch so gut zum Norden. Zwei sehr nette Spaziergängerinnen stellten Ihre Regenschirme auf meine Nachfrage zur Verfügung. Im Hintergrund ist die Petrikirche zu sehen. Die Schirme waren übrigens bunt...naja. Ich schrieb bereits zuvor Schwarzweiß war klar...Meine Wahl fiel dann auf das rechte Bild, auf dem der Kirchturm ganz zu sehen ist.


Die letzen beiden Aufgaben und ich bin verliebt in die lübecker Menschen

Die Hüxstraße bietet eine unglaubliche Vielfalt an schönen Motiven und man trifft sehr nette Menschen.

Inzwischen lebe ich seit fast fünf Jahren in Kiel, doch in dieser Zeit habe ich durch den Abstand einen neuen Blick auf meine Heimat werfen können. Ich gehe mit offeneren Augen durch die Stadt, sehe vieles, das mir neu erscheint und vieles Altbekanntes.  Was mich immer wieder dazu bewegt, am Fotomarathon Lübeck teilzunehmen ist genau das. Die Stadt noch einmal anders sehen zu können. Gestern bin ich zweimal durch die Hüxstraße gegangen. Ich bin gerne hier, denn hier gibt es viele individuelle Geschäfte und das weitab von großen unpersönlichen Ketten und Filialgeschäften. Das erste Mal ging es für mich eher um die Atmosphäre, die dort einfach schön ist, zumal am Samstag dort kein Auto hindurchfahren darf. Schon auf diesem Gang wurden wir (ich hatte eine gute Freundin als Begleitung, die sich der Herausforderung ebenfalls gestellt hatte), interessiert gefragt, welche Themen es in diesem Jahr gibt. Offensichtlich hat der Fotomarathon inzwischen einen Bekanntheitsgrad in Lübeck erreicht.

 

Außerdem kennzeichnen sich die Teilnehmer gut erkennbar mit der Startnummer, man kann sich also nicht heimlich auf den Weg machen...

 

Als es an die letzten beiden Aufgaben für mich ging, wollte ich unbedingt wieder zurück, denn ich wähnte gutes "Futter" für meine Bilder. In einem Spezialgeschäft für Krawatten und Anzugtücher, dem Karambolage durfte ich mich dann "austoben" und hatte damit zwei meiner besten Bilder für den Wettbewerb gemacht. Zuvor hatte mir die Inhaberin des Atelier Turan tatsächlich noch geholfen, eine Idee für die Umsetzung zu entwickeln und im Feinkostgeschäft Bom Dia durfte ich mich ebenfalls in Ruhe positionieren.

 

Ich habe hier bewusst ein paar Namen und die Straße genannt, weil ich mich sehr über die Freundlichkeit, auch in anderen Läden gefreut habe. Es gab nette, kurze Gespräche und viel Wohlwollen und Bereitschaft zur Unterstützung. Ich erhalte für die Nennung kein Geld und mache das gern, da ich gerne auch in Zukunft weiterhin in so schönen kleinen Läden Kunde sein möchte. Grad in den heutigen schwierigen Zeiten sollten alle dazu beitragen, dass uns diese  schönen Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben.

 

Wenn das als Werbung gesehen wird, ist diese somit unbezahlt.

 

Und nun gibt es noch mein kurzes Fazit zum Wettbewerb: Ich habe mehrere Jahre ausgetzt, bis ich wieder am Fotomarathon Lübeck teilgenommen hab, weil ich mich wohl doch sehr unter Stress gesetzt hab. Ich sehe das seit gestern mit anderen Augen und als eine Herausforderung und Bereicherung. Es gibt Preis und Gewinner und ich würde lügen, wenn ich meinte, ich möchte nicht auch ganz vorne dabei sein.

 

Doch auch wenn ich nicht den Wettbewerb gewinnen sollte, habe ich einen tollen Tag mit viel Spaß und wertvollen Menschen verbracht.

 

P. S. : Noch ein wenig Stolz dazu... ich bin hochzufrieden damit, dass mir die Bilder mit den gewählten manuellen Einstellungen so gut gelungen sind. Ich habe die Bilder hier auch original ohne Nachbearbeitung eingestellt.

Aufgabe 11: Schnutenpullis und andere Accessoires der Saison

Sie sind DAS unabdingbare Accessoire in Zeiten von Corona, die (Schutz) Masken, von den Norddeutschen liebevoll Schnutenpullis genannt. Ich hatte die Vorstellung, dass das Bild genauso sein soll, nicht nur Masken, sondern eben noch mehr. Leider hatten schon einige Geschäfte geschlossen, so dass ich fürchtete, ich finde nicht passendes mehr. Doch im Karambolage wurde ich dann fündig. Zuvor hatte ich in einem Schaufenster noch ein paar der Masken liegen sehen, doch das Bild war es dann ja nicht. Favorit: Maske mit Sakko und Einstecktuch.

 

 


Aufgabe 12: Die Qual der Wahl.

Dieses Thema sollte mich nach dem Beenden noch einmal beschäftigen, denn da ging es final darum, sich für DAS Bild je Aufgabe zu entscheiden.

Vorher fiel es mir hier bereits extrem schwer, meinen Favoriten zu wählen. Wiederum im schicken Herrenshop gab es eine unglaubliche Anzahl an Krawatten, die in unterschiedlichen Farben, Mustern und Stoffqualitäten darauf warteten, erwählt zu werden. Und nun Stand ich davor und überlegte, welche Perspektive und/ oder Fokus ich wähle. Ich bin heilfroh kein Mann zu sein. Bei den Bindern könnte ich mich nicht entscheiden und würde vermutlich arm werden, kaufte ich vermutlich gleich 10 oder 20 Stück...

Bei dieser Aufgabe fiel die Wahl jedenfalls auf das Bild im Hochformat, da hier die große Auswahl besser erkennbar ist.


ich habe heute leider kein Foto für dich

Zu guter Letzt gibt es noch eine kleine Auswahl an Bildern, gegen die ich mich entschieden habe. Insgesamt hatte ich 84 -vorsichtshalber- statt 12 Bilder aufgenommen...es ist eben doch die Qual der Wahl...


Wer Lust hat, sich mit den Anforderungen rund um den Fotomarathon Lübeck zu beschäftigen und einmal daran teilzunehmen, kann sich auf der Homepage des Lübeck Management informieren.

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