· 

...wenn die Vergangenheit die Gegenwart einholt.

Macht man sich auf Motivsuche in der Fotografie, gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich inspirieren zu lassen und seinen Lieblingsbereich zu finden. Bei dieser Motivsuche habe ich mir vorgenommen, für neue Bereiche offen zu sein, die mich vielleicht auf den ersten Gedanken nicht sofort begeistern könnten.

Das sind beispielsweise die sogenannten "Lost Places", verlorene Plätze oder Gebäude, die nicht mehr genutzt werden und verfallen. 

Am letzten Wochenende begab ich mich mit einer Freundin, die an solchen Orten sehr gern unterwegs ist, dann das erste Mal auf "Lostplace" Tour und erlebte die eine oder andere nicht geahnte Überraschung, sowohl positiv, als auch negativ. Nun ging es zu zweit nach Sachsen-Anhalt, genauer nach Halle an der Saale, wo sich zahlreiche dieser verlassenen Plätze finden lassen sollen. In der Tat war bei Ankunft in der Stadt schon beim "ersten Blick schweifen lassen" zu erkennen, dass es einige Häuser gab, die offensichtlich dem Verfall Preis gegeben wurden. Doch wir wollten zu "unseren" vorgesehenen Orten und uns da genauer umsehen.

Bilder der Lost places in Halle (Sachsen-Anhalt)

Da es doch schon später am Abend war, beschlossen wir, uns die kleine, schöne Innenstadt mit z. B. der Marienkirche, und dem kleinen Marktplatz anzuschauen. Die Temperaturen waren noch angenehm sommerlich. Hier haben wir dann eher die ersten "present Places" Fotos gemacht. Viel Trubel gab es auf den Straßen nicht mehr. Ab und zu fuhr noch eine Tram an uns vorbei. Im Anschluss saßen wir noch kurz am Brunnen auf ein Kaltgetränk, als um 22 Uhr erst das Licht und dann das Wasser abgestellt wurde....etwas beschaulich ist es schon in Halle...

Am nächsten Tag ging es früh los und kaum waren wir am ersten Ziel, merkte ich, dass doch eine gewisse Abenteuerlust in mir aufstieg. Ja, Indiana Jones hätte seine wahre Freude an den Orten und mir gehabt...doch lassen wir Harrison Ford lieber einmal aus dem Spiel...

Es ist schon sehr spannend, sich auf solchen Terrains zu bewegen. Ich dachte darüber nach, wieviel Geschichte(n) hier erlebt wurde(n), was die Wände uns zu erzählen hätten und wurde traurig in dem Gedanken, dass nun alles verfällt und sich niemand dafür zu interessieren scheint.

Außer leider den rücksichtslosen Vandalen, die diese Orte als illegale Müllkippe missbrauchen oder Brände legen.

Aber auch die enthusiastischen Sprayer, die mit ihren bunten Farben und Graffitis dem Ganzen "Ihr" Bild verleihen und damit die alten Gebäude in die Gegenwart transferieren. In einer Werkshalle hatte sich wohl ein Regisseur quasi ein Bühnenbild kreiert. Figuren aus den verbliebenen Materialien saßen auf den oben liegenden lichtdurchfluteten Fenstersimsen. Ich fühlte mich fast ein bisschen von ihnen beobachtet.

Und ich fand auch Motive, die mich festhielten und ich sie mit der Kamera. Dennoch erfasste mich während des ganztätigen Trips irgendwann eine morbide und traurige Stimmung, soviel geballten Verfall sehen zu müssen. Unerwähnt möchte ich aber nicht lassen, dass mich die beobachtete Kreativität in den Räumlichkeiten dann kurz vor Aufbruch auch ergriffen hatte. Plötzlich rannte wie aufgescheucht durch die große Halle, sammelte ein paar verrostete leere Farbdosen und legte sie als "Komposition" zusammen. Zack, noch eine unerwartete Aufnahme.

Draußen wiegten sich Blumen und Sträucher, die zentimeterhoch in die Sonne ragten und dabei ihre Schatten warfen; teilweise sogar durchgebrochen durch die massiven und schweren Wegplatten. Zwischenzeitlich gab es noch einen kurzen Snack von den Brombeersträuchern, deren Früchte hellrot oder dunkel, voll reif und süß daran hingen.

es wird natürlich auch restauriert

Noch eine kurze Erwähnung, auch wenn es sich belehrend liest: Bitte besuchen Sie nur die, die öffentlich zugänglich sind oder an denen die Führungen gemacht werden. Es ist nicht ungefährlich; das sollte jedem Abenteurer bewusst sein.

Am letzten Abend stimmte mich die Altstadt dann wieder fröhlicher. Nun war auch mehr los, viele Menschen waren unterwegs, ein Volleyballturnier wurde auf dem Marktplatz veranstaltet. Hier gab es noch einiges an anderen sehenswerten Motiven, mit denen wir im Gepäck wieder gen Heimat fuhren.

Das Fazit des Wochenendes: Es ist schon eine bereichernde Erfahrung gewesen und ich bin froh, mich darauf eingelassen zu haben. Dennoch sind die "lost places" eher Motive, die ich nur in geringen Dosen einnehmen würde.

Und es geht weiter....

Kommentar schreiben

Kommentare: 0